Lettisch-Deutsches Partnerschaftsforum in Valmiera
Die jungen Leute vom Kreismusikschulorchester Gütersloh hatten vor dem Rückflug von Riga nach Köln genügend Zeit (weil ihr Flieger eine Stunde Verspätung hatte) für eine kleine Rückschau auf ihren Lettland-Besuch: Vier Konzerte hatten sie gegeben, aber am besten gefiel ihnen das gemeinsame mit dem Musikschulorchester des Kreises Valmiera am 10.Oktober in der St.Simons-Kirche Valmiera. In der Tat bot dieses Klangereignis mit zwei Dirigenten, über 70 Musikern und einem faszinierten Publikum nicht nur „große Musik“ sondern ließ einmal mehr erkennen, wie einfach und gut Völkerverständigung durch Musik erfolgreich sein kann. Auch die deutsch-lettische Kunstausstellung, die am Vortag im Museum der Stadt Valmiera eröffnet wurde, zeigte diese wirkungsvolle Facette partnerschaftlicher Zusammenarbeit.
Vorbereitet hatten der Kreis Gütersloh und der Partnerkreis Valmiera diese Konferenz, die von Landrat Vitauts Stana und der stellvertretenden Landrätin Ulrike Boden am 10.Oktober im Hotel Wolmar eröffnet wurde. Welch hohen Stellenwert in Lettland diese Partnerschaften haben, unterstrichen in ihren Begrüßungsworten die beiden Botschafter Ilgvars Klava und Detlef Weigel, welche die gute Zusammenarbeit beider Länder in Europa unterstrichen. Auch die „Ministerin für Wohlstand“, Iveta Purne, lobte die Zusammenarbeit, die viele Projekte der Zusammenarbeit im sozialen Bereich begründet hatten.
Das erste Arbeitsthema für die rund 70 Teilnehmer aus dem Kreis Valmiera, aus Gütersloh, Harsewinkel, aus Melle und Willich, aus Handewitt, Halle, Eppstein, und auch aus der rheinland- pfälzischen Verbandsgemeinde St.Goar-Oberwesel, widmete sich dem Jugendaustausch und den Praktika, die traditionell für junge Leute in beiden Ländern einen hohen Stellen- und Zukunftswert haben. Ausführlich wurde die Situation von Menschen mit Behinderungen erörtert – viele Hilfsprojekte in der nunmehr 15jährigen Partnerschaft kamen diesem Personenkreis zugute; das wurde in einem Film und bei Besuchen vor Ort sichtbar und erlebbar. Für die Referentin Dr.Silvana Kreyer von „Kultur unterwegs“ ist der Kulturaustausch die „Seele der Partnerschaft“, wie sie an guten Beispielen verdeutlichen konnte.
Überaus spannend verlief die Geschichte der deutsch-lettischen Beziehungen, deren Namen und Höhepunkte Detlef Henning vom Nordost-Institut Lüneburg anschaulich (mit histoischem Bildmaterial) vorstellte und erläuterte. Er war es übrigens auch, der die Partnerschaft zwischen den Kreisen Güterloh und Valmiera auf den Weg gebracht hatte. Und dann ging es um Förderprogramme – vom Auswärtigen Amt über Stiftungen bis zu denen der EU, vorgestellt vom Institut für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit. Auch hierzu konnte Detlef Henning eine wichtige Ergänzung einbringen: Realisiert werden soll jetzt über das Nordost-Institut⁽¹⁾ – eine deutsch-baltische Jugendförderung – ähnlich den bilateralen Jugendbüros, wie sie schon mit Großbritannien, Tschechien, Russland, Israel und (ab dem 18.November d.J.) mit Italien wertvolle finanzielle Hilfen bieten.
Inzwischen sollen sich die einzelnen Freundeskreise miteinander vernetzen und möglichst eine gemeinsame Internet-Plattform schaffen. Das war Anliegen und Ziel des Beitrags von Wilfried Bürse vom Deutsch-Lettischen Freundeskreis Willich.
In einem Film wurden die vielen Stationen der 15jährigen Partnerschaft lebendig, bevor die Teilnehmer „vor Ort“ sehen und erleben konnten, welche direkten Erfolge die Partnerschafts- Projekte im Altenheim, einem Sprachheilzentrum und einem Kinder- und Familienzentrum bewirkt haben. Hans-Joachim Schwolow, Motor der Partnerschaft und dieser Konferenz, konnte denn auch zum Schluss vielen seinen Dank aussprechen, die diese lebendige Partnerschaft und diese Konferenz mitgestaltet haben. Auch im kommenden Jahr ist eine weitere gemeinsame Konferenz geplant – vielleicht auch einmal mit einer Förderung durch die EU.
Dietmar M. Woesler (IPZ)
Aus: Europa aktuell Nr. 53 – partnerschafts-news (5. Ausgabe 2008 – 9. Jahrgang, www.ipz-bonn.de)
- (1) Nordost-Institut , Conventstraße 1, 21335 Lüneburg, www.ikgn.de, Tel. 04131–400 59 13
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